Jep
Jep
Zum 60-jährigen Jubiläum verwandelt euroform w seine Unternehmensgeschichte in ein beeindruckendes Kunstwerk – ein Symbol für Identität, Handwerk und kreative Vision. Einige Worte des renommierten Südtiroler Kunstkritikers Heinrich Schwazer über die Entstehung und Bedeutung der Metallskulptur „Jep“, die die Künstler Lois Steger und Paul Feichter zum 60-jährigen Jubiläum von euroform w in Sand in Taufers geschaffen haben. Die Skulptur dient nicht nur als Kunstwerk, sondern auch als sichtbares Symbol für die Identität des Unternehmens und seiner Gründerfamilie.

Kunst als Identitätsträger
Ausgangspunkt des Kunstkritikers Heinrich Schwazer ist die Frage, wie sich eine funktionale, eher anonyme Industriehalle in einen unverwechselbaren Ort verwandeln lässt. Laut Autor gelingt dies am überzeugendsten durch Kunst, da jedes Kunstwerk per Definition einzigartig ist. Euroform entschied sich daher, sein Jubiläum nicht nur zu feiern, sondern durch ein dauerhaftes Kunstwerk sichtbar zu machen.
Die Idee hinter der Skulptur
Die Skulptur basiert auf dem Buchstaben „W“, dem Anfangsbuchstaben des Familiennamens Winkler. Das Besondere daran ist die Gestaltung: Aus der Ferne erscheint das Werk zunächst wie ein einzelnes „V“, das aus der mit Efeu bewachsenen Hallenwand herauswächst. Erst beim näheren Betrachten ergänzt das Auge die Form zu einem vollständigen „W“, das gedanklich durch die Fassade hindurch bis ins Innere des Gebäudes reicht. Dadurch entsteht eine visuelle Verbindung zwischen Unternehmen, Gebäude und Familiengeschichte.
Mit einer Höhe von über fünf Metern wirkt die Skulptur monumental. Gleichzeitig wird diese Massivität durch 492 ausgeschnittene Dreiecke aufgelockert. Die Anzahl ist bewusst gewählt: Die Quersumme von 492 ergibt sechs und verweist damit symbolisch auf das 60-jährige Firmenjubiläum. Nachts wird die Skulptur von innen beleuchtet, wodurch die ausgeschnittenen Formen besonders eindrucksvoll zur Geltung kommen.
Warum "JEP"?
Die Skulptur erhielt den Namen „Jep“. Der Begriff stammt von traditionellen Schnalzlauten, die im lokalen Dialekt noch verwendet werden, gleichzeitig aber auch in der modernen Jugendsprache vorkommen. Durch die Namensgebung wird das Kunstwerk gewissermaßen zu einer eigenständigen Persönlichkeit. Der Autor spekuliert sogar, dass die Skulptur künftig als Treffpunkt dienen könnte – nach dem Motto: „Wir treffen uns bei Jep.“
Verbindung von Kunst, Handwerk und Unternehmensgeschichte
Ein zentraler Gedanke von Heinrich Schwazer ist, dass die Skulptur nicht einfach als dekoratives Objekt vor das Gebäude gestellt wurde. Stattdessen entwickelt sie sich direkt aus der Geschichte des Unternehmens heraus. Das „W“ verweist auf die Gründerfamilie und damit auf die Identität des Betriebs. Gleichzeitig wurde die Skulptur aus Materialien gefertigt, die auch in den Produktionsprozessen von euroform w verwendet werden. Sie ist somit nicht nur Kunstwerk, sondern auch Ausdruck des handwerklichen Könnens und der Materialkompetenz des Unternehmens.
Darüber hinaus sendet das Projekt eine Botschaft an Mitarbeitende, Kunden und Besucher: Das Unternehmen investiert bewusst in ein inspirierendes Umfeld und betrachtet Gestaltung als wichtigen Bestandteil seiner Unternehmenskultur.
Buchstaben als Kunstform
Heinrich Schwazer ordnet die Skulptur kunsthistorisch ein. Er stellt die Frage, warum ein einzelner Buchstabe überhaupt als Kunstwerk funktionieren kann. Dabei verweist er auf eine lange Tradition: Bereits im Mittelalter wurden kunstvoll gestaltete Initialen genutzt, um Text und Bild miteinander zu verbinden. Im 20. Jahrhundert gingen Künstler noch weiter und verwendeten Buchstaben nicht mehr nur als Träger von Sprache, sondern als eigenständige visuelle Formen und skulpturale Elemente.
Als bekanntes Beispiel nennt der Autor Robert Indianas berühmte „LOVE“-Skulptur in New York. In dieser Tradition sieht er auch das Werk von Steger und Feichter: einen Buchstaben, der weit über seine sprachliche Funktion hinausgeht und zu einem eigenständigen Kunstobjekt wird.

Fazit von Heinrich Schwazer
Der bekannte südtiroler Kunstkritiker bewertet die Skulptur als besonders gelungen, weil sie nicht wie ein nachträglich angebrachtes Dekorationselement wirkt, sondern organisch aus der Geschichte, dem Material und der Identität von euroform w hervorgeht. Das Werk verbindet Familiengeschichte, Unternehmenswerte, Handwerk, Architektur und Kunst zu einem markanten Wahrzeichen. Seine abschließende Interpretation lautet, dass „Jep“ gewissermaßen eine „bewohnte Initiale“ ist – ein Buchstabe mit Charakter, Geschichte und eigener Präsenz im öffentlichen Raum.
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